Starke Frauen ohne Quote

Sobald es um mehr Frauen in Führungsetagen oder in der Politik geht, wird man sofort von einem Wort erschlagen: die Frauenquote. Aber hilft die Quote wirklich, das Leben von Frauen zu verbessern? Einer Hand voll Frauen vielleicht schon, der breiten Masse allerdings mit Sicherheit nicht. Im Gegenteil, die Frauenquote nimmt uns Frauen zum Teil die Chance, frei von Vorurteilen Karriere machen zu können.

Den Beigeschmack des Zwangs wird die Quote einfach nicht loswerden. Man kann sie sogar als diskriminierend ansehen, denn wir Frauen werden nicht mehr nach unseren Fähigkeiten und unserem Können beurteilt, sondern nach dem Bestreben viele Frauen in Führungsebenen zu bringen, egal ob frau fähig dazu ist oder nicht. Was aber ändert sich, wenn mehr Frauen an Entscheidungspositionen sitzen? Die aktuell vor sich gehende Schlacht innerhalb der SPÖ zeigt wohl am deutlichsten, dass die Frauenquote kein wirksames Instrument zur Ermutigung von Frauen ist. Ein Beispiel wie aus dem Bilderbuch, das zeigt, dass sich durch Quoten nur eines ändert: die machtbewussten, Forderung stellenden Egozentriker sind jetzt keine Männer mehr, sondern Frauen. Führungskompetenz können sowohl Männer, als auch Frauen haben. Viel wichtiger als das Geschlecht sind Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen, Charakter und Stärke. Führungsebenen sind keine ausgepolsterten Spielräume, sie haben Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen kann und mit deren Konflikte man sich auseinandersetzen muss. Respekt muss man sich deshalb erarbeiten, Mann wie Frau. Ich würde nicht wollen, dass man mich ansieht, als hätte ich den Stempel „Quotenfrau“ auf der Stirn. Ich würde wollen, dass man mich achtet und als ernsthafte Mitkonkurrentin wahrnimmt. Für das, was Männer auch alleine schaffen, brauchen wir Frauen offenbar die Quote, wodurch die Diskussion in eine völlig falsche Richtung geht. Nämlich in jene, uns Frauen auf ewig eine Stufe tiefer zu stellen, die Quotenstufe quasi.

Die Frauenquote ist möglicherweise das perfideste Instrument zur Unterdrückung der Frau. Es wird gesetzlich zementiert, dass Frauen eine Quote brauchen, um das zu erreichen, was Männer ohne Quote erreichen. Vermutlich ist das der Grund, warum mir zunehmend auch Herren die Schulter tätscheln, um mir zu erklären, wie gern sie mir doch mit einer Quote helfen würden.
Birgit Kelle (Journalistin und Buchautorin)

Akzeptanz und Ermutigung
Tatsache ist, dass die Politik eine der familienfeindlichsten Umgebungen überhaupt darstellt. Akzeptieren wir doch, dass es viele Frauen und Mütter gibt, die ganz ohne steile Karriere zufrieden sind und gar nicht in die Öffentlichkeit, ins Rampenlicht der Politik gehievt werden wollen. Sie sind sich ihrer wichtigen, unverzichtbaren Rolle in der Gesellschaft als Mutter bewusst. Sie sind wohl die wichtigsten Managerinnen unserer Gesellschaft. Wenn sich eine Frau dafür entscheidet, in die Politik zu gehen, dann muss sie das ohne Zwang und aus eigenem Willen heraus für sich selbst wollen. Alles andere hätte auf Dauer auch keinen Sinn. Frau und Mann sind auch im beruflichen Leben und in der Politik kein Widerspruch, sie sind viel mehr eine Ergänzung. Wenn sich eine Frau der schwierigen Umgebung im politischen Geschehen bewusst ist und sich mit Engagement und Willen dafür entscheidet, so wird sie auch akzeptiert werden und ihren Weg beschreiten. Auf diesem Weg gehört sie auch ermutigt. Wir verlangen von Familien, wirtschaftsfreundlicher zu werden, wenn jedoch die Politik und die Wirtschaft nicht familienfreundlicher werden, wird es weiterhin mehr Frauen geben, die mit einer gesunden Balance aus Familie und Beruf zufrieden sind, als jene, die die eigene Karriere vorziehen. Auch das haben wir zu akzeptieren.

Abschließend darf ich dazu noch eine spannende Diskussion unter anderem über Frauenquoten mit Beteiligung der deutschen Publizistin und Buchautorin Birgit Kelle empfehlen: http://www.youtube.com/watch?v=bXrZPjCisDo

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